So. Endlich geht’s los mit meiner von euch lang erwarteten Warschau-Berichterstattung. Zu Beginn ein paar einleitende Worte: man muss Warschau nicht besuchen. Wenn man die Möglichkeit hat, wie ich durch die Studienfahrt, kann man sich die polnische Hauptstadt aber gerne mal geben. Mit 1,7 Mio. Einwohnern ist die Metropole auch eine Ostblock-Hauptstadt wie man sie sich vorstellt mit einer ziemlich großen Schere zwischen arm und reich, viel großer noch als in Deutschland. Außerdem kann man da noch relativ günstig Urlaub machen. Ein reichhaltiges Abend- oder Mittagessen inkl. Getränken kostet fast nie mehr als nen 10er, das 0,5er Piwo fast überall 2euro, der 4cl Wodka 1euro. Allerdings darf man auf der Straße keinen Alkohol (auch kein Bier) trinken. Da sind sie sehr empfindlich und der Spaß kostet teures Geld. Wo die Leute trotzdem Alkohol trinken würde ich euch allerdings nicht empfehlen im Dunkeln das Haus zu verlassen – die Stimmung ist dort sehr aggressiv, um nicht gefährlich zu sagen. Was allerdings mehr als klar ging war die menschliche Seite der Fahrt. Ich habe sehr, sehr gute Leute kennengelernt und sehr viel Spaß mit diesen gehabt. Vielen Dank dafür. Aber auch die Polen sind sehr offen und sprechen einen eigentlich in jeder Bar an. Das macht schon Spaß, auch wenn die meisten Englisch-Kenntnisse eher so mittel sind. Nun aber zum ersten Teil: dem Fußball.

To put in a nutshell: Warsaw is Legia! Wenn man überhaupt mal Fußballsticker findet, ist es in 9 von 10 Fällen einer von Legia Warschau. Das einzige was ich an Polonia gefunden habe ist dieses Herz-Graffito (#6) im Praga-Viertel. Das ist eines dieser besagten Bier-draußen-trink-Viertel welches teilweise echt runtergekommen ist. Das ist aber vor allem dem Umstand geschuldet, dass da 1944 nicht alles von den Nazis dem Boden gleich gemacht wurde. Und wie überall ziehen Altbau-Wohnungen und billige Mieten auch ein paar Künstler an, wodurch es hier auch viel Streetart zu sehen gibt. Sehr cool fand ich die Idee der Mädels, uns einfach ein paar Karten für das Viertel in die Hand zu drücken, die nur ein paar Kreuze für interessante Punkte enthielten. Die Aufforderung “GET LOST” hat dem Nachmittag dann eine sehr euphorische urban-experience-note gegeben.

Aber wieder zu Legia. Wie ihr an den Stickern #4 und #5 seht, kann die Legia-Szene nicht gerade behaupten unpolitisch zu sein. Die Keltenkreuze sind nicht nur überall in der Stadt gesprüht, sondern auch auf den Stickern zu finden. Dazu auf Sticker #5 auch durchgestrichene Hammer&Sichel. Braucht man wohl nicht mehr all zu viel zu sagen.

Sticker von anderen polnischen Vereinen wie Wisla Krakau (#2) hängen vor allem in den touristischen Gebieten der Stadt wie der Altstadt, die nach 1945 KOMPLETT nach alten Bildern und Plänen wieder aufgebaut wurde, oder dem Kulturpalast aka. “Stalinstachel” (#9). Der klitzekleine Zenith St. Petersburg Sticker (#1) war ganz in der Nähe der alten Stadtmauer am Denkmal des Kindersoldaten. Sehr ergreifend dieser Ort. Aber da komme ich später noch mal drauf zurück.

Neben den Stickern gabs auch einiges an Stencils zu sehen. Am schicksten sicherlich das “I <3 Legia” (#3). Das relativ hässliche Vereinslogo konnte aber auch des Öfteren gesehen werden (#8).

Stichwort Europameisterschaft: Das Stadion und die Infrastruktur ist in Warschau in jedem Fall für die EM vorhanden. Allerdings hat man in der Stadt selbst nicht so viel davon gemerkt. Die Menschen haben das ganze sehr gelassen gesehen. Manche Baustellen gibt es wohl schon seit Jahren und unsere erfahrenen Polenfahrer sagten nur: “Es wird schon fertig. Vielleicht wird am Ende nur geklebt statt geschraubt, aber es wird fertig.” In diesem Sinne…

Reclaim your city!

PS: ja es geht weiter. In jedem Fall wird es noch Streetart und Politik geben. Vielleicht dann noch ein Sights-Special geben. Mal sehen. Eure Fragen gerne per Mail oder in die Kommentare!

Eine alte Weisheit meiner Eltern lautet: “Man kann alles machen, man darf sich nur nicht erwischen lassen!”. Ein paar Bayernfans, ich will jetzt nicht sagen alle, haben anscheinend nicht so ein gutes Elternhaus genossen wie ich und haben sich bei einer mitternächtlichen Klebeaktion von der Münchner Polente mal ordentlich beobachten und kassieren lassen. Bitter für die Jungs, da das echt teuer werden kann. Trotzdem natürlich auch ein Fall von “Wie dumm kann man eigentlich sein?!”. Hier der Link. (via Jimmy Jazz)

Reclaim your city!

 

Münchner Kindl

03/04/2012

Der Eine oder die Andere hat es vielleicht mitbekommen: ich war am Wochenende mal wieder in München. Und boah war das ein Wochenende: wenig Schlaf, viel gemacht, viele Leute wieder gesehen, noch mehr Spaß gehabt, 3 Punkte eingefahren und und und… Ein paar Sticker habe ich natürlich auch direkt mitgenommen. Darunter auch dieser doch recht schicke von Bayern München. Wer es genau wissen will, da steht: FC Bayern – der beste Verein der Welt!, München – die schönste Stadt der Welt!. Ich find den tatsächlich ganz gut. Im Hintergrund der bayerische Himmel mit dem Rautenlogo, dazu links die Türme der Frauenkirche und rechts das Rathaus. In der Mitte eine sehr eigenwillige, wenn auch nicht unschöne, Interpretation des Münchner Kindl. Im ersten Moment mag Mensch direkt an die Schikeria denken, aber die sind zu politisch korrekt für sowas. Wenn man genau hinsieht, sieht man den Schriftzug “Inferno” auf dem Gürtel der Mönchskutte, was augenscheinlich für den Fanclub “Inferno Bavaria” steht. Wenn ich richtig Langeweile hätte, würde ich ja bei ultras.ws mal recherchieren was die so aufm Kerbholz haben. Aber naja…

Reclaim your city!

Die Hypers und Metalheads sind zwei Fortuna-Fanclubs, die hier in Düsseldorf überall Sticker kleben haben. Von den Hypers gibt es auch in den einschlägigen linken Läden Fahnen gegen Nazis und so weiter. Blöd nur, dass sie beim Fortuna-Fanturnier Anfang Januar gleich einen Gegenspieler hatten, der Thor Steinar-Klamotten trug. Ehrensache, dass sich Hypers und dann in aller Solidarität auch die Metalheads erst von dem Turnier und dann aus dem SCD verabschiedeten. Insgesamt ne ziemlich bittere Geschichte. Die gesamte Düsseldorfer Szene stellt sich ansonsten geschlossen gegen Nazis und Rechtsextremismus. Ein Nazi-Arschloch bei ca. 300 Kickern und schon ist die Szene, und vor allem ihr Selbstverständnis in einer großen Krise. Oder ist da mehr dran? Gibt es vielleicht doch auch unter Fortuna-Fans Rassismus? Unterschwellig und alltäglich mit Sicherheit.

Kleine Anekdote: Ich habe FCH vs. STP im Pub geguckt. Am Nebentisch ein gutes Dutzend Fortuna Fans Anfang 20. Neben den üblichen Kommentaren, dass Rostocker ja alles Nazis und deswegen verachtenswert sind, gabs auch ein paar Witze. Der Höhepunkt mit dem meisten Gelächter: “Ey ich hab Lukimya letztens in der Disco gesehen – also sein Lächeln.” Was ich damit sagen will: Das Bekenntnis der meisten Fortuna-Fans gegen Rassismus und Rechtsextremismus ist aller Ehren wert. Aber jede Szene ist nur ein Spiegelbild der Gesellschaft. Also gibt es auch unpolitische Fans und Nazis unter den Anhängern. Passt auf und tretet ihnen entgegen!

Reclaim your city!

ES GEHT WIEDER LOS!!! Naja, am Sonntag immerhin. Aber trotzdem kann ich es ehrlich gesagt gar nicht mehr abwarten. Kurz zu der Fotosituation: Als netter Nachbar, welcher ich nun mal bin, habe ich meine Hansasticker immer brav neben die Fortuna-Sticker geklebt. Ich bin ja für ein tolerantes und friedliches Nebeneinander. Leider sehen das noch nicht alle Fortuna-Fans genauso. Deswegen werden die Sticker (hier FCH: ganz schön, aber rechtschreibtechnisch optimierbar, F95: gähnend langweilig, ähnliche Sprach(un)kenntnisse) immer wieder überklebt oder abgerissen, was auf die Dauer ziemlich nervig ist. Naja, ich habe Zeit, bleibe friedlich und meiner Linie treu. Aber wichtig ist ja aufm Platz. Und da gehts am Sonntag gegen Bochum. Das Ticket, nur echt mit Namen bedruckt, liegt schon bereit und die Wochenendorganisation ist auch schon erledigt. Wird wieder sehr stressig und anstrengend, erst recht bei angesagten -8° im Stadion, aber was willste machen?! Dafür kommen wieder unendlich viele Leute, Gästeblock ist so gut wie ausverkauft!, und auch ein paar sehr gute Freunde. Ik freu mir! ALLES FÜR DEN FCH!

Reclaim your city!

Bud Spencer

06/01/2012

Der gute Bud! Wohl der sympathischste Italiener aller Zeiten. Lange wusste ich nicht, warum der hier in Düsseldorf so oft rumhängt. Aber wär hätte es gedacht: Fortuna ist schuld! Ein kleiner Teil der Szene benutzt das Konterfei des legendären Haudraufs als eine Art Testimonial. Dieses Stencil finde ich dabei am schicksten. Die anderen Sticker sind sehr professionell gemacht und ich werde bestimmt auch mal einen hier bringen. Ansonsten gibts bestimmt auch einen auf lifestyle-football. Ich war früher auch großer Fan von “Vier Fäuste für ein Halleluja”, “Sie nannten ihn Plattfuß” usw. Mittlerweile langweilen mich die Filme doch sehr. Wat willste machen, Geschmäcker ändern sich.

Edit: Der Kommentator Kurt (danke für Feedback und Lob!) meint diese hier:

Reclaim your city!

Europapokal

04/01/2012

Und wenn nichts mehr hilft, dann die Rückbesinnung auf die Geschichte! Naja, eigentlich stimmt das natürlich nicht und ist irgendwie konservativ und reaktionär. Auf fussballvonlinks gibt’s da zur Zeit auch einen schönen Kommentar zu, auch wenn ich nicht in allen Punkten zustimme. Denn trotz allem sind die Glanzlichter in der Geschichte eines Fußballvereins immer eine Art Halt für jeden Fußballfan um schlechte Zeiten durchstehen zu können. Für mich ist das immer die Tatsache, dass Hansa Ende 1991 gegen den großen FC Barcelona gewonnen hat. Zwar hat man Auswärts 3:0 verloren, aber der Sieg im Heimspiel gegen Koeman, Stoichkov, Laudrup & Co. ist schon sehr grandios. Umso mehr habe ich mich beim Anblick dieses Stickers gefreut. Zwar ist er nicht der schönste und die Wahrscheinlichkeit, dass Hansa mal wieder europäisch spielen wird geht auch gegen Null, trotzdem bin ich da immer etwas berührt. Achja, alles Gute nachträglich!

afdFCH! Reclaim your city!

HSV NIX GUT

24/09/2011

Das passt ja mal wieder. Der HSV gewinnt sein erstes Saisonspiel (10 Punkte im Tippspiel Alter!) und direkt finde ich einen richtig hässlichen Sticker um über den Dino bloggen zu können. Denn aus unerfindlichen Gründen hab ich in den letzten paar Monaten tatsächlich den einen oder anderen Gedanken an den HIV verschwendet. Und vor allem über Michael Oenning – der Mutter aller Kreisligatrainer. Als der HSV letztes Jahr den Veh rausgeworfen hat, war mir sofort klar: der Oenning ist nur ein Bauernopfer und nichts wird sich bessern. Und das, obwohl der HSV eigentlich eine ganz gute Mannschaft hat. Denn da laufen immerhin so Leute rum wie Mancienne, Jansen, Aogo, Westermann, Berg, Petric… usw. Allerdings auch ein paar Supernulpen wie der Jarolim oder Guerrero, der bisher nur durch seinen Flaschenwurf und seine Flugangst aufgefallen ist. Aber egal. Der Oenning kann einfach nix außer Spielerfrauen anbaggern. Ich bin sicherlich nicht der große Taktik-Fuchs aber hey, wer vor dem Klose warnt, obwohl der gar nicht mehr in der Bundesliga spiel, hats echt noch weniger drauf. Nun gut, ich hoffe der HSV holt sich jetzt mal nen ordentlichen Trainer und kann dann mit dem Arnesen zur Winterpause ein paar bessere Spieler holen als Chelseas B-Mannschaft.

Reclaim your city!

95OLEE

02/09/2011

Tja, nun ist er da der Hype. Um die PostItKunst. Gestartet in Frankreich von gelangweilten Ubisoft-Mitarbeitern ist das ganze nun über die Bürotürme von Paris auch nach Düsseldorf gekommen – der PostItWar. Und irgendwie war es ja klar, dass die Kollegen nicht anders können als ihrer Fortuna zu huldigen. Ist ja auch ganz nett. Aber wenn ich so die Umsetzungen aus Frankreich sehe, müssen die Jungs hier noch ordentlich an ihren Skills arbeiten. Zum Glück ist das Büro in den “Innenhof”, so dass Passanten das eigentlich nicht sehen dürften. Mich hat dieses “95OLEE”, es gibt auch einen Smiley im Büro daneben, heute Morgen zwar schon ein wenig vom Arbeiten abgehalten, allerdings konnte ich mich nicht für eine entsprechende Antwort motivieren. Denn wenn der Hype so in Deutschland ankommt, ist er eigentlich auch schon wieder tot.

Edit: Die Kollegen lassen sich nicht lumpen und ziehen erst das Bat-Logo, dann den Nike-Swoosh aus dem Hut – JUST POST IT.

Nächster Teil: Azubine strikes back! Mit niemand geringerem als Garfield versteht sich! Lasagne alter! (Foto: bei Facebook geklaut…)

Doch auch das wird nicht das Ende sein, wenn man dem @kleidsamtweets Glauben schenken darf…

Und ich hoffe, dass ich den War der Kollegen aus Hamburg demnächst auch hier verewigen kann. Bisher hab ich aber noch kein gutes Bild gefunden. Wer helfen kann mailt an plakatierenverboten@gmx.de oder meldet sich via twitter. Danke!

Edit: Hier endlich der Hamburger Jägi-War:

Reclaim your city!

Puhh, dieser Text wird keine literarische Meisterleistung. Aber lest selbst:

Letztens war ich mal wieder im schönen Hamburg auf der Schanze und habe eine ganze Menge Sticker gefunden, u.a. auch den hier. Dass der Boll Bulle ist wusste ich ehrlich gesagt gar nicht; finde den leicht humoristischen Umgang mit dieser Tatsache aber recht sympathisch. Vom Layout her ist das Ganze sicherlich nicht allerhöchste Klasse, aber hey, wir reden von St. Pauli, dem sympathischen, coolen Stadtteilverein. Nicht! Aber wenigstens stehen die Fans zum Thema Politik im Fuszball, was leider nicht in jeder Szene gegeben ist. (Jetzt die krasse Überleitung)

Um Fußball und Politik ging es auch vorhin bei der Lesung von Ronny Blaschke im BiBaBuZe in Bilk. Der gute Mann hat aus seinem neuen Buch “Angriff von Rechtsaussen” gelesen und über seine Recherchen in der deutschen Fuszballprovinz referiert. Ronny hat sich in den letzten Jahren in der Rostocker Szene ziemlich unsympathisch gemacht, da er gerne den Finger in Wunden gesteckt, und als Hansafan trotzdem auch kritisch über Verein uns Fans berichtet hat. Dementsprechend war auch ich vor der Lesung eher skeptisch, danach dafür umso positiver überrascht. Der Typ hat ne gute, selbstbewusste politische Einstellung und scheint wirklich sehr tief im Thema drin zu sein. Auch wenn einige Beispiele schon bekannt waren oder sind finde ich es gut, dass jemand die Nische besetzt – und wer wenn nicht ein Rostocker Jung soll sich bitte mit rechter Politik und Fuszball auskennen?! Leider war die Diskussion nach der Lesung nicht so lebhaft wie ich sie mit den Rheinländern erwartet hatte und lange nicht so kontrovers wie man sie hätte führen können. Nun ja, so konnte ich ihm leider auch keine explizite Meinung über Hansa und so rausdrücken, da hat er sich dann etwas wortkarg gezeigt. Lange Rede, kurzer Sinn: wer sich für das Thema interessiert, kauft das Buch.

Reclaim your city!

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