Keine Nazi-Post

27/12/2011

Ich gebe zu: ich lasse eigentlich kaum ein gutes Haar an mein Heimatdorf dicht bei Rostock. Es ist langweilig, es gibt keine vernünftige Internetverbindung (ein Wunder wie ich diesen Post gerade schreiben kann) und ohne Auto ist Mensch aufgeschmissen. Was soll’s: die Familie lebt hier nun mal also verbringe ich meinen Weihnachtsurlaub auch hier. Und immerhin gibt’s auch ein paar ganz nette Sachen zu entdecken, wie diese Briefkasten-Aufkleber vom Nachbarn. Über Brodkorb und seine Extremistenjäger-Wochen muss Mensch sicherlich diskutieren, dass die Aktion „Endstation Rechts“ diese Aufkleber rausbringt, und manche Leute sie tatsächlich auch nutzen ist allerdings aller Ehren wert. In einer Gegend, in der zu Wahlkampfzeiten besonders in den kleinen Ortschaften nur NPD-Plakate hängen, ist das hier ein kleines, aber umso wichtigeres Zeichen an Nachbarn, Briefträger, Passanten usw. Schöne Anekdote noch dazu: der selbe Nachbar hat eine weiße Karre, die meist vollständig verdreckt ist. In dieses Dreck hinein wurde mit Hand sehr säublerich Hammer&Sichel sowie CCCP gemalt. Sieht gut aus!

Reclaim your city!

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kacheln erlaubt?

20/12/2011

Julia aus Hamburg betreibt nicht nur den kleinen aber feinen Blog Taktgefühle, sondern hat auch ein Auge für Straßenkunst und elementare Fragen! Wenn Plakate ankleben verboten ist, was ist dann mit Kacheln? Oder Tannenbäumen? Oder Tapeten? Wird man ja wohl noch mal fragen dürfen!

Edit: Kann mir nicht jemand sagen, dass ich damit knappe 6 Wochen zu spät dran bin?!

Reclaim your city!

Es ist soweit. PlakatierenVerboten – euer Magazin für halblegale Stadtverschönerung – präsentiert das erste, und hoffentlich nicht letzte, Kurzinterview. Den Anfang macht dabei Barto, der vielleicht einigen Düsseldorfern schon durch kleinere oder größere Werke im öffentlichen Raum bekannt sein dürfte. Mehr zu und von ihm findet ihr auf bartotainment.com.

du machst viel streetart, aber auch auftragsarbeiten für flyer, drucksachen, web design usw. da drängt sich natürlich die frage auf, ob das zum leben reicht, und ob die aufträge deine „kunst“ refinanzieren können?
Ich finanziere mich und meine Kunst zu etwa gleich großen Teilen durch Grafikjobs wie Flyer, Illustrationen, Broschüren, Webdesign und auf der anderen Seite durch eine halbe Stelle im sozialen Bereich, die dafür sorgt, dass ich eine geregelte Krankenversorgung habe! Von der Kunst als solcher kann ich nicht leben, verkaufe nur ab und an auf Ausstellungen ein paar Werke.

benutzt du, oder kannst du dir vorstellen auch mit portalen wie http://www.graffitiauftrag.de/login.php http://www.ack2.de/ oder http://www.morethanwords.de/ zusammen zu arbeiten (auch wenn du selbst nicht unbedingt solche großflächigen graffiti machst)? wie sähe eine ideale künstleragentur aus?
Bislang nutze ich solche Portale nicht, sehe mich selber aber auch einfach nicht als Graff-Artist und fühle deswegen von solchen Angeboten auch nicht wirklich vertreten. Ich mache alles auf eigene Faust, organisiere meine Ausstellungen selber, betreibe selber Akquise und genieße es, mir damit meine Freiheit bewahren zu können. Ich habe garnicht das Bedürfnis mich von jemandem vertreten zu lassen, weder einer Person noch einer institutionalisierten Einrichtung.

wie wichtig ist dir persönlich eigentlich streetart? also kurz gesagt, was verbindest du damit und was willst du mit deinen werken in der stadt erreichen? zum denken anregen oder vielleicht einfach nur die stadt verschönern?
Abgesehen davon, dass mir die Begrifflichkeit „Streetart“ wirklich unfassbar unwichtig ist, sind mir die Möglichkeiten, mich im öffentlichen Raum kreativ verwirklichen zu können enorm wichtig. Die Leute zum Denken anregen zu können, ist eine schöne Sache, aber eigentlich nur zweitrangig. In erster Linie Folge ich da dem Graff-Gedanken, auf alle zu Scheissen und einfach nur das zu machen, was mir selber gefällt! Wenn ich was machen will, was jedem gefällt, würde ich Rattenstencils sprühen, Herzluftballons mit Sprüchen kleistern oder Feuerlöschertags machen. Das schöne an Kunst auf der Straße ist doch, einfach sich selber treu sein zu können, ohne jemandem oder irgendwelchen Idealen verpflichtet zu sein.

wo liegt aus deiner sicht dir grenze zwischen streetart und vandalismus? sind disketten auf straßenschildern noch kunst, und ist http://www.unlike-u.com/ schon vandalismus? hast du selbst schon probleme mit polizei/ordnungsamt bekommen? man kann ja vieles auf dich zurückführen…
Was Kunst ist oder nicht, steht mir sicherlich nicht zu, zu beurteilen, dass darf jeder für sich selber einordnen. Ich selber praktiziere zwar kein Trainbombing, bin aber dennoch ein Fan der Ästhetik. Probleme mit der anderen Seite des Gesetzes habe ich eher früher gehabt, in meinem Alter kann man nicht mehr so gut weglaufen, oder sich in Gebüschen verstecken, da macht man eher Sachen, die nicht ganz so riskant sind und ohnehin in gesetzlichen Grauzonen stattfinden, wie zum Beispiel wildes Plakatieren. Ich würde auch behaupten, auf mich ist nicht sonderlich viel zurück zu führen, den Großteil meiner Arbeiten mache ich ohne Namedropping. Falls du die weltweit zu findenden BARTO-Pieces meinst, die stammen von meinem Namensvetter aus Köln, ich habe nichts damit zu tun (wirklich, ganz im ernst, ohne Flax!).

Vielen Dank nochmal für die offenen Antworten.

Reclaim your city!

Wer mich kennt weiß eigentlich, dass ich ein ausgesprochen ausgeglichener Mensch bin. Nur selten regt mich wirklich etwas auf und mit den allermeisten Menschen komme ich gut bis sehr gut klar. Das geht so weit, dass mir letztens auf ner Party gesagt wurde: „Ey du hast auch mit Niemandem Stress oder? Du bist wie die Schweiz!“. Gut, es gibt schönere Komplimente als als Schweiz bezeichnet zu werden aber was willste machen?!

Was mich nun aber wirklich des Öfteren aufgeregt hat ist diese NSU-Terrorgruppen-Geschichte, die ich hier gar nicht lang und breit erzählen möchte. In den Medien, egal ob Massen- oder Nischenmedien, wurde einiges dazu erzählt. In den letzten zwei Wochen gab es daher kaum einen Tag, an dem ich nicht dachte: „WIE SCHEISZE SEID IHR EIGENTLICH???“. Auf den Anti-Nazi-Demos sammelt die Polizei fröhlich Handy-Daten ALLER Anwesenden um gegen die Linken vorzugehen, die Familienministeren hat Angst vor der großen Welle der Deutschenfeindlichkeit und der Brodkorb stellt seit Jahren Rechts- und Linksextremisten auf eine Stufe. Und das sind nur ein paar der Sachen, die der Staat so macht während in Deutschland Nazis unterwegs sind um meine Nachbarn umzubringen. MEINE NACHBARN. Denn jeder, der hier lebt ist irgendwie dein Nachbar! Egal wo er oder sie herkommt! Und ich mag meine Nachbarn!

Aber was sollte ich auch erwarten? Dass der Verfassungsschutz da eingreift? Warum sollte er das tun? Die deutschen Geheimdienste sind seit ihrer Gründung Anfang der Fünfziger mit Ex- und aktuellen Nazis, koservativen Krawattenträgern und rechten Kräften durchsetzt. Die würden sich nur ins eigene Fleisch schneiden, wenn die ihre Kameraden ausliefern würden. Lieber wird gegen Steineschmeißer und Porsche-Anzünder gehetzt als wären das die größten Terroristen. (Sehr schön kommentiert das Hagen Rether.)

ABER: es gibt Abhilfe. Niemand geringeres als die Antifa recherchiert immer wieder die Namen zu den Gesichtern, die ungestört gegen Juden und Ausländer demonstrieren dürfen. Lieber Verfassungsschutz, liebes BKA: Immer für Sie da – Ihre Antifa! Hier das Plakat auch nochmal in gross. DAS sind die Verbrecher, DAS sind potentielle Mörder und Terroristen die die öffentliche Ruhe stören. DAS sind die, die Demokratie und Freiheit gefährden. Wann begreift ihr das endlich? Wie viele Menschen müssen noch von rechts ermordert werden? Es braucht keine Ausstiegsprogramme für Linke! Es braucht keine Bekennung zur Demokratie für Jugendprojekte solange der Staat Nazis für Hetze und Mord bezahlt! Was es braucht sind objektive Aufklärung aller Straftaten (dass kann mit einer „SOKO Bosporus“ NICHT gelingen) und Unterstützung aller alternativen (Jugend-)Projekte. Und mit ES meine ich lediglich eine Gesellschaft in der alle halbwegs friedlich und ohne Angst miteinander Leben können. Mehr will ich doch im ersten Schritt gar nicht!

Reclaim your city!

PS: Ab und an mal auskotzen hilft. Sehr.

Aktion Freifahrt

02/12/2011

Kostenlos mit den Öffentlichen fahren! Wer will das nicht? Mit dieser, und anderen Forderungen, sind die Piraten in Berlin ins Parlament eingezogen. In Düsseldorf wird das aber außerparlamentarisch mit der „Aktion Freifahrt“ (Vorsicht: Facebook)organisiert. Das System beruht auf dem Tarifsystem des hiesigen VRR. Denn mit bestimmten Monatstickets kann man zu bestimmten Zeiten eine zweite Person kostenlos auf dem Ticket mitnehmen. Eine Tatsache, die mich schon von so mancher WG-Party kostenlos zum Club fahren ließ. Als Erkennungszeichen, dass man eines dieser Tickets besitzt, dient ein roter Button an Jacke/Rucksack/sonstiger Klamotte. Steht man also an der Haltestelle ohne Ticket fragt man die Person mit dem Button und kann im Bestfall kostenlos durch die Stadt düsen. Da ich nicht so oft Straßenbahn/Bus in Düsseldorf fahre, kann ich gar nicht wirklich sagen wie viele Buttonträger es so gibt. Gesehen habe ich aber schon welche.

DIe Idee für die Aktion Freifahrt ist ein Nebenprodukt der Initiative für ein echtes Sozialticket, welches bisher meines Wissens immerhin die Empfänger von ArbeitslosengeldII bekommen. Da muss also noch einiges getan werden.

Ich persönlich finde die Aktion Freifahrt super. Als Fahrradfahrer kann ich die Aktion aber leider nicht selbst als Buttonträger unterstützen. Daher also mein Aufruf an alle Düsseldorfer und Besitzer eines entsprechenden Tickets: roten Button angesteckt und Leute mitgenommen!

Reclaim your city!