Bartotainment – Interview

17/12/2011

Es ist soweit. PlakatierenVerboten – euer Magazin für halblegale Stadtverschönerung – präsentiert das erste, und hoffentlich nicht letzte, Kurzinterview. Den Anfang macht dabei Barto, der vielleicht einigen Düsseldorfern schon durch kleinere oder größere Werke im öffentlichen Raum bekannt sein dürfte. Mehr zu und von ihm findet ihr auf bartotainment.com.

du machst viel streetart, aber auch auftragsarbeiten für flyer, drucksachen, web design usw. da drängt sich natürlich die frage auf, ob das zum leben reicht, und ob die aufträge deine „kunst“ refinanzieren können?
Ich finanziere mich und meine Kunst zu etwa gleich großen Teilen durch Grafikjobs wie Flyer, Illustrationen, Broschüren, Webdesign und auf der anderen Seite durch eine halbe Stelle im sozialen Bereich, die dafür sorgt, dass ich eine geregelte Krankenversorgung habe! Von der Kunst als solcher kann ich nicht leben, verkaufe nur ab und an auf Ausstellungen ein paar Werke.

benutzt du, oder kannst du dir vorstellen auch mit portalen wie http://www.graffitiauftrag.de/login.php http://www.ack2.de/ oder http://www.morethanwords.de/ zusammen zu arbeiten (auch wenn du selbst nicht unbedingt solche großflächigen graffiti machst)? wie sähe eine ideale künstleragentur aus?
Bislang nutze ich solche Portale nicht, sehe mich selber aber auch einfach nicht als Graff-Artist und fühle deswegen von solchen Angeboten auch nicht wirklich vertreten. Ich mache alles auf eigene Faust, organisiere meine Ausstellungen selber, betreibe selber Akquise und genieße es, mir damit meine Freiheit bewahren zu können. Ich habe garnicht das Bedürfnis mich von jemandem vertreten zu lassen, weder einer Person noch einer institutionalisierten Einrichtung.

wie wichtig ist dir persönlich eigentlich streetart? also kurz gesagt, was verbindest du damit und was willst du mit deinen werken in der stadt erreichen? zum denken anregen oder vielleicht einfach nur die stadt verschönern?
Abgesehen davon, dass mir die Begrifflichkeit „Streetart“ wirklich unfassbar unwichtig ist, sind mir die Möglichkeiten, mich im öffentlichen Raum kreativ verwirklichen zu können enorm wichtig. Die Leute zum Denken anregen zu können, ist eine schöne Sache, aber eigentlich nur zweitrangig. In erster Linie Folge ich da dem Graff-Gedanken, auf alle zu Scheissen und einfach nur das zu machen, was mir selber gefällt! Wenn ich was machen will, was jedem gefällt, würde ich Rattenstencils sprühen, Herzluftballons mit Sprüchen kleistern oder Feuerlöschertags machen. Das schöne an Kunst auf der Straße ist doch, einfach sich selber treu sein zu können, ohne jemandem oder irgendwelchen Idealen verpflichtet zu sein.

wo liegt aus deiner sicht dir grenze zwischen streetart und vandalismus? sind disketten auf straßenschildern noch kunst, und ist http://www.unlike-u.com/ schon vandalismus? hast du selbst schon probleme mit polizei/ordnungsamt bekommen? man kann ja vieles auf dich zurückführen…
Was Kunst ist oder nicht, steht mir sicherlich nicht zu, zu beurteilen, dass darf jeder für sich selber einordnen. Ich selber praktiziere zwar kein Trainbombing, bin aber dennoch ein Fan der Ästhetik. Probleme mit der anderen Seite des Gesetzes habe ich eher früher gehabt, in meinem Alter kann man nicht mehr so gut weglaufen, oder sich in Gebüschen verstecken, da macht man eher Sachen, die nicht ganz so riskant sind und ohnehin in gesetzlichen Grauzonen stattfinden, wie zum Beispiel wildes Plakatieren. Ich würde auch behaupten, auf mich ist nicht sonderlich viel zurück zu führen, den Großteil meiner Arbeiten mache ich ohne Namedropping. Falls du die weltweit zu findenden BARTO-Pieces meinst, die stammen von meinem Namensvetter aus Köln, ich habe nichts damit zu tun (wirklich, ganz im ernst, ohne Flax!).

Vielen Dank nochmal für die offenen Antworten.

Reclaim your city!

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