Warszawa II – Politik

18/08/2012

Etwas politisches über ein Land zu schreiben, in dem man a) selbst nicht jeden Tag die Nachrichten und Entwicklungen verfolgt und b) dazu auch in deutschen Medien nur selten etwas hört, ist natürlich äußerst schwierig. Was ich z.B. hier mitbekommen habe ist natürlich das NIE DLA ACTA (#1) Polens, was ich sehr sympathisch finde.

Was ich auf der Straße gefunden habe, war aber meist nicht so nett. Wie ich schon schrieb findet man überall gesprayte Keltenkreuze (#2, keine Ahnung was es mit dem Ruth made in Zion auf sich hat, weiß jemand was?) und ganz generell wird gerne mal was gehängt. Mit dem A (#3) und dem Davidstern (#8) als Gehängte zeigt sich auch hier eine klar rechte, und teilweise klare antisemitische Haltung. Diesbezüglich hatte ich auch ein kurzes Gespräch mit einem Mitarbeiter des Jüdischen Historischen Instituts. Auf meine Frage, ob denn der Antisemitismus in Polen bzw. auch anderen osteuropäischen Staaten wirklich noch so viel stärker ausgeprägt ist als in Deutschland bekam ich eine einleuchtende Antwort. Wie mir gesagt wurde sind „die Polen“ nicht antisemitischer als „die Deutschen“, sie sprechen ihren Antisemitismus lediglich klarer aus; die political correctness ist einfach nicht gelernt. Das kommt durch eine anscheinend anders verstandene Freiheit, die in Polen nicht als Freiheit von etwas, sondern für etwas gedeutet wird. Sehr spannend die Sache.

Neben dem ganzen rechten Kram gab es dann zum Glück aber auch ganz schöne linke Streetart wie das pinke „Just be gay“-Stencil (#4) und dann natürlich vor allem der Antifa-Joker #9, den ich direkt als meinen Warschauer Lieblingssticker gekürt habe. Eindeutig zu recht wie ich finde!

Was ich jetzt nicht in die Galerie gepackt habe, vor allem weil ich es vergessen habe, ist das „Logo“ des Warschauer Ghetto-Aufstandes, welches oft in der Nähe der entsprechenden Gedenkstätten gesprayt wurde und auch das Museum des Ghetto-Aufstandes ziert. Das werde ich dann mal in einem eigenen Post vorstellen. Lohnt sich nämlich.
Dazu aber vielleicht noch die kleine Anmerkung, dass ich mich nach dem Besuch des Museums direkt alleine auf den Weg gemacht habe zum Willy-Brandt-Platz bzw. dem Denkmal der Opfer des Warschauer Ghettos, an dem Willy Brandt sich 1970 spontan hingekniet hat. Das Denkmal und der Platz sind zwar jetzt nicht so super gelegen oder gepflegt, trotzdem war ich tatsächlich auf den letzten Metern durch den kleinen Park sehr ergriffen und hatte richtig Gänsehaut. Neben dem Denkmal entsteht derzeit das Museum der Juden in Polen, welches bereits 2009 hätte fertiggestellt sein sollen. Derzeit ist wohl auch die Eröffnung 2013 nicht so realistisch…

Reclaim your city!

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