So langsam nähern wie uns dem Ende der Serie. Aber natürlich nicht, ohne einen kurzen Blick auf sonstige feine Streetart in Warschau zu werfen. Allerdings gibt es da nicht so viel Besonderes zu zu sagen. Wie überall gibt es einen Haufen Sticker (#4) und mehr oder weniger schicke kleine Graffiti (#3). Besonders im Zentrum finden sich auch viele Stencils (#9), die man als Außenstehender so schnell gar nicht zuordnen kann. Richtig viel und gute Streetart gibt es dann tatsächlich im Praga-Viertel zu sehen. Wer da richtig die Augen auf macht, kann einige Schätze entdecken (#5, #6, #7). Absolutes Highlight waren aber sicherlich die Ratten (bzw. Wühlmäuse für uns), die eine riesige Wand zierten (#8). Wer danach sucht, sollte an der Haltestelle Foksal aussteigen. Das ist quasi direkt an dem Platz mit der Palme (de Gaulle?) Wenn ihr da aussteigt, geht ihr ein paar Meter Richtung Zentrum und dann gleich rechts durch eine Hofeinfahrt. Dort verstecken sich dann nicht nur die Ratten sondern auch einige alternative Kneipen. Unser Favorit war ganz klar die „Tittenbar“, die sich selbst Klaps nennt. Sehr entspannter Laden mit guter Musik und schnellem Service. Und warum es „Tittenbar“ heißt, findet ihr am besten selbst raus!

Reclaim your city!

Etwas politisches über ein Land zu schreiben, in dem man a) selbst nicht jeden Tag die Nachrichten und Entwicklungen verfolgt und b) dazu auch in deutschen Medien nur selten etwas hört, ist natürlich äußerst schwierig. Was ich z.B. hier mitbekommen habe ist natürlich das NIE DLA ACTA (#1) Polens, was ich sehr sympathisch finde.

Was ich auf der Straße gefunden habe, war aber meist nicht so nett. Wie ich schon schrieb findet man überall gesprayte Keltenkreuze (#2, keine Ahnung was es mit dem Ruth made in Zion auf sich hat, weiß jemand was?) und ganz generell wird gerne mal was gehängt. Mit dem A (#3) und dem Davidstern (#8) als Gehängte zeigt sich auch hier eine klar rechte, und teilweise klare antisemitische Haltung. Diesbezüglich hatte ich auch ein kurzes Gespräch mit einem Mitarbeiter des Jüdischen Historischen Instituts. Auf meine Frage, ob denn der Antisemitismus in Polen bzw. auch anderen osteuropäischen Staaten wirklich noch so viel stärker ausgeprägt ist als in Deutschland bekam ich eine einleuchtende Antwort. Wie mir gesagt wurde sind „die Polen“ nicht antisemitischer als „die Deutschen“, sie sprechen ihren Antisemitismus lediglich klarer aus; die political correctness ist einfach nicht gelernt. Das kommt durch eine anscheinend anders verstandene Freiheit, die in Polen nicht als Freiheit von etwas, sondern für etwas gedeutet wird. Sehr spannend die Sache.

Neben dem ganzen rechten Kram gab es dann zum Glück aber auch ganz schöne linke Streetart wie das pinke „Just be gay“-Stencil (#4) und dann natürlich vor allem der Antifa-Joker #9, den ich direkt als meinen Warschauer Lieblingssticker gekürt habe. Eindeutig zu recht wie ich finde!

Was ich jetzt nicht in die Galerie gepackt habe, vor allem weil ich es vergessen habe, ist das „Logo“ des Warschauer Ghetto-Aufstandes, welches oft in der Nähe der entsprechenden Gedenkstätten gesprayt wurde und auch das Museum des Ghetto-Aufstandes ziert. Das werde ich dann mal in einem eigenen Post vorstellen. Lohnt sich nämlich.
Dazu aber vielleicht noch die kleine Anmerkung, dass ich mich nach dem Besuch des Museums direkt alleine auf den Weg gemacht habe zum Willy-Brandt-Platz bzw. dem Denkmal der Opfer des Warschauer Ghettos, an dem Willy Brandt sich 1970 spontan hingekniet hat. Das Denkmal und der Platz sind zwar jetzt nicht so super gelegen oder gepflegt, trotzdem war ich tatsächlich auf den letzten Metern durch den kleinen Park sehr ergriffen und hatte richtig Gänsehaut. Neben dem Denkmal entsteht derzeit das Museum der Juden in Polen, welches bereits 2009 hätte fertiggestellt sein sollen. Derzeit ist wohl auch die Eröffnung 2013 nicht so realistisch…

Reclaim your city!

Während ich in diesem Jahr eher den Osten entdecke, ist die wunderbare Laura eher im Westen Europas unterwegs. Als Spezialistin für Schönes hat sie im belgischen Gent einiges an feiner StreetArt gefunden. Schaut euch das an und findet das gut. Irgendwann gibts dann hier auch wieder Content.

Reclaim your city!

Hansa Rostock

21/07/2012

Puhh, geschafft. Hansa hat relativ glücklich den ersten Sieg im ersten Spiel eingefahren. Vor allem der Belgier Ken Leemans konnte auf der 6 wirklich überzeugen. Von Dennis Berger war außer dem Freistoß zum 1:1 und der Flanke zum Sieg kurz vor Schluss nichts zu sehen. Ebenso blass blieb Smetana als einzige Sturmspitze. Allerdings wurde er vom Mittelfeld um Lartey, Jordanov, Mendy und eben Berger auch kaum gefüttert. Sollten Mo, Edi und Mendy zu 100% Leistung finden, ist das aber wieder ein bärenstarkes Mittelfeld. In der Abwehr machten Holst und Wolf ein solides Spiel, Geenen auf rechts größtenteils noch zu ungenau und zu wenig nach vorne. Pelzer auf links hat zwar Willen und Kampfgeist gezeigt, spielerisch aber kam da gar nix. Müller war beim Gegentor chancenlos, was es zu halten gab hat er aber in bekannter Ruhe gehalten. Ich würde im nächsten Spiel auf ein 4-1-3-2 umstellen. Berger raus und dafür Johan Plat, Siegtorschütze, neben Smetana in den Sturm. Dann passiert offensiv einfach auch mehr. Insgesamt also ein Spiel wie die beiden Sticker: schnörkellos und ohne viele Highlights. Aber egal. Hauptsache Sieg. Hauptsache Hansa!

Reclaim your city!

..für Sankt Pauli. Beziehungsweise für die Dritte Liga. Am Wochenende gehts endlich wieder los und ich bin sehr gespannt drauf. Alle Exilrostocker können am Samstag übrigens das Spiel live aufm NDR gucken. Die Anderen gehen selbstverständlich ins Ostseestadion, eh klar. Was gibt’s noch so? Ach ja, der Sticker erinnert mal wieder sehr an diesen geilen Text aus der Greif Zu, den ich nur bei afterchangeswearemoreorlessthesame wieder finde.

Reclaim your city!

01573-6252709 – Die Nummer gegen Kummen. Naja, nicht so ganz. Denn wer glaubt, dass nach einer Meldung auf einmal Horden von BlackBlockAntifas durch die Viertel Streifen um für „Ordnung“ zu sorgen ist natürlich falsch gewickelt. Hier wird einfach dokumentiert und recherchiert um für eventuelle Aktionen gerüstet zu sein. Ob die Mädels und Jungs auch diesen Block lesen? Wäre ja nicht verkehrt…

Reclaim your city!

Kommen wir wieder zurück zur Kernkompetenz dieses manchmal eingedösten Blogs: dem Sticker! In diesem Fall sogar dem politischen Sticker. Ich glaube kaum, dass es hier zwei Meinungen gibt: dieser Sticker ist absolut gelungen. Von der Idee (pink, moustache), über die Botschaft (catchy) bis hin zur Umsetzung stimmt einfach alles. Daher ein großes Lob an die Macher von dieser Stelle!

Reclaim your city!

 

Wie versprochen sollt ihr auch einige Eindrücke vom „Museum Warschauer Aufstand bekommen“. Zuerst war ich etwas genervt, dass es das Museum nicht in das offizielle Programm der Tour geschafft hat. Aber schon am Abend der Ankunft haben sich ein paar Leute darüber unterhalten und recht schnell haben wir uns auf einen Besuch während der „Freizeit“ geeinigt. Sehr gut!

Das Museum liegt etwas außerhalb der Innenstadt, ist aber per Straßenbahn trotzdem easy zu erreichen. Die Haltestelle trägt auch den Namen des Museums und das Logo des Powstania Warszawskiego (#8) ist auch von Weitem schon gut zu erkennen und auch oft in den Straßen der Stadt zu finden.

Und dann gab es richtig viel zu sehen. Anhand von knapp 50 einzelnen Themenbereichen wird man durch die Ausstellung geführt. Da erst 2004 eröffnet ist alles modern mit Videos, Texten, Artefakten usw usf aufgearbeitet. Sehr erschreckend fand ich die „Videokästen“. Das sind Kästen, in die man ab einer Körpergröße von ca. 1,50m reinschauen kann und in denen wirklich krasse Originalbilder aus dem Ghettoalltag gezeigt werden. In deutschen Dokus, Museen usw. habe ich solche Bilder expliziter Gewalt noch nicht gesehen; wirklich nichts für schwache Nerven.

Und so hangelt man sich dann entlang vieler kleiner Notizen und Ehrbekundungen für die Helden des Widerstands, bis man ca. zur Hälfte der Tour in einer großen Halle einen Originalbomber (#6) ausgestellt sieht. Und hier wird es dann unübersichtlich, da die Führung durch die Hausnummern irgendwie den roten Faden verliert. Hinter den großen Porträtfotos kann man aber erstmal etwas sitzen und sich einen 30minütigen Film ansehen. Dort befindet sich dann auch der Eingang in den Keller-Themenbereich „Die deutschen in Warschau“ (#4) wo dann die Täter vorgestellt werden. Schaut mal auf Foto #3. Den jungen Mann, seines Zeichens Museumsmitarbeiter, habe ich auch genau dort fotografieren können.

Im Außenbereich des Museums befinden sich dann noch diverse Denkmäler sowie eine lange Wand (ca. 50m lang, 2,5m hoch) aus Granit mit den Namen der Opfer sowie auch ein kleiner Steingarten mit Grafitti-Gemälden (#9) zum Thema.

Fazit: Der Besuch des Museums sollte in jedem Fall Pflicht für alle Warschaubesuche sein. Es gibt einfach eine Unmenge an Material welches gezeigt wird und man in Deutschland nie sehen wird. Allerdings wird es nach gut 3h auch etwas unübersichtlich. Helfen kann es da sicherlich, wenn man den Besuch auf den späten Nachmittag, nachdem die Schulklassen durchgeschleust wurden, legt. Ebenfalls etwas negativ: personal welches die eine oder andere Frage beantworten kann ist leider auch schwer zu finden oder spricht, wie viele andere in Warschau, nur gebrochen Englisch. Trotzdem hingehen! Der Eintritt kostet 10PLN, also ca. 2,50€. Keine Ausreden.

Reclaim your city!

So. Endlich geht’s los mit meiner von euch lang erwarteten Warschau-Berichterstattung. Zu Beginn ein paar einleitende Worte: man muss Warschau nicht besuchen. Wenn man die Möglichkeit hat, wie ich durch die Studienfahrt, kann man sich die polnische Hauptstadt aber gerne mal geben. Mit 1,7 Mio. Einwohnern ist die Metropole auch eine Ostblock-Hauptstadt wie man sie sich vorstellt mit einer ziemlich großen Schere zwischen arm und reich, viel großer noch als in Deutschland. Außerdem kann man da noch relativ günstig Urlaub machen. Ein reichhaltiges Abend- oder Mittagessen inkl. Getränken kostet fast nie mehr als nen 10er, das 0,5er Piwo fast überall 2euro, der 4cl Wodka 1euro. Allerdings darf man auf der Straße keinen Alkohol (auch kein Bier) trinken. Da sind sie sehr empfindlich und der Spaß kostet teures Geld. Wo die Leute trotzdem Alkohol trinken würde ich euch allerdings nicht empfehlen im Dunkeln das Haus zu verlassen – die Stimmung ist dort sehr aggressiv, um nicht gefährlich zu sagen. Was allerdings mehr als klar ging war die menschliche Seite der Fahrt. Ich habe sehr, sehr gute Leute kennengelernt und sehr viel Spaß mit diesen gehabt. Vielen Dank dafür. Aber auch die Polen sind sehr offen und sprechen einen eigentlich in jeder Bar an. Das macht schon Spaß, auch wenn die meisten Englisch-Kenntnisse eher so mittel sind. Nun aber zum ersten Teil: dem Fußball.

To put in a nutshell: Warsaw is Legia! Wenn man überhaupt mal Fußballsticker findet, ist es in 9 von 10 Fällen einer von Legia Warschau. Das einzige was ich an Polonia gefunden habe ist dieses Herz-Graffito (#6) im Praga-Viertel. Das ist eines dieser besagten Bier-draußen-trink-Viertel welches teilweise echt runtergekommen ist. Das ist aber vor allem dem Umstand geschuldet, dass da 1944 nicht alles von den Nazis dem Boden gleich gemacht wurde. Und wie überall ziehen Altbau-Wohnungen und billige Mieten auch ein paar Künstler an, wodurch es hier auch viel Streetart zu sehen gibt. Sehr cool fand ich die Idee der Mädels, uns einfach ein paar Karten für das Viertel in die Hand zu drücken, die nur ein paar Kreuze für interessante Punkte enthielten. Die Aufforderung „GET LOST“ hat dem Nachmittag dann eine sehr euphorische urban-experience-note gegeben.

Aber wieder zu Legia. Wie ihr an den Stickern #4 und #5 seht, kann die Legia-Szene nicht gerade behaupten unpolitisch zu sein. Die Keltenkreuze sind nicht nur überall in der Stadt gesprüht, sondern auch auf den Stickern zu finden. Dazu auf Sticker #5 auch durchgestrichene Hammer&Sichel. Braucht man wohl nicht mehr all zu viel zu sagen.

Sticker von anderen polnischen Vereinen wie Wisla Krakau (#2) hängen vor allem in den touristischen Gebieten der Stadt wie der Altstadt, die nach 1945 KOMPLETT nach alten Bildern und Plänen wieder aufgebaut wurde, oder dem Kulturpalast aka. „Stalinstachel“ (#9). Der klitzekleine Zenith St. Petersburg Sticker (#1) war ganz in der Nähe der alten Stadtmauer am Denkmal des Kindersoldaten. Sehr ergreifend dieser Ort. Aber da komme ich später noch mal drauf zurück.

Neben den Stickern gabs auch einiges an Stencils zu sehen. Am schicksten sicherlich das „I ❤ Legia“ (#3). Das relativ hässliche Vereinslogo konnte aber auch des Öfteren gesehen werden (#8).

Stichwort Europameisterschaft: Das Stadion und die Infrastruktur ist in Warschau in jedem Fall für die EM vorhanden. Allerdings hat man in der Stadt selbst nicht so viel davon gemerkt. Die Menschen haben das ganze sehr gelassen gesehen. Manche Baustellen gibt es wohl schon seit Jahren und unsere erfahrenen Polenfahrer sagten nur: „Es wird schon fertig. Vielleicht wird am Ende nur geklebt statt geschraubt, aber es wird fertig.“ In diesem Sinne…

Reclaim your city!

PS: ja es geht weiter. In jedem Fall wird es noch Streetart und Politik geben. Vielleicht dann noch ein Sights-Special geben. Mal sehen. Eure Fragen gerne per Mail oder in die Kommentare!

Eine alte Weisheit meiner Eltern lautet: „Man kann alles machen, man darf sich nur nicht erwischen lassen!“. Ein paar Bayernfans, ich will jetzt nicht sagen alle, haben anscheinend nicht so ein gutes Elternhaus genossen wie ich und haben sich bei einer mitternächtlichen Klebeaktion von der Münchner Polente mal ordentlich beobachten und kassieren lassen. Bitter für die Jungs, da das echt teuer werden kann. Trotzdem natürlich auch ein Fall von „Wie dumm kann man eigentlich sein?!“. Hier der Link. (via Jimmy Jazz)

Reclaim your city!